~ B i t t e r s w e e t ~

Terra <3 Yaoi

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Völlig außer Atem stieß Seven die Wohnungstür auf und knallte sie sofort hinter sich zu, ehe er sich ans Türblatt lehnte. Sein Atem ging schnell, sein Herz raste. Panik stieg in ihm hoch, obwohl er angestrengt versuchte, sich zu beruhigen. Überall auf seiner Haut konnte er es plötzlich wieder spüren, diese aufdringlichen Hände, die rau über seinen Körper strichen und keinen Fleck ausließen. Er fühlte sich so... beschmutzt.
Als ihm der vertraute Geruch von Essen in die Nase stieg, lächelte er sanft. Jetzt hatte er Dustin, jetzt war alles anders. Und trotzdem konnte er den kalten Angstschweiß nicht zurückhalten, der sein Hemd verklebte. Seven stieß sich vom Türblatt ab, um sein Herzchen in der Küche aufzusuchen - doch als er dort ankam, verschwand seine gute Laune ebenso schnell, wie sie gekommen war. "Kannst du nicht wenigstens EINMAL das Essen fertig haben, wenn ich nach Hause komme?", fuhr er Dustin ungewollt wütend an. Es war nicht seine Absicht, den ganzen Ärger am anderen auszulassen, aber schon wieder konnte er nichts dagegen tun. Wie machtlos und schwach er doch war!

Dustin schaute auf und bemerkte das schweißnasse Shirt und den wütenden Ausdruck auf Sevens Gesicht. Er kannte den anderen nun gut genug – über sechs Monate – um zu wissen, dass dieser Ärger, vermischt mit Scham und Trauer, nicht nur wegen der zweiten Pizza war, die er eben in den Ofen schob. Etwas musste passiert sein. Etwas, das Seven bedrückte und in diese Verfassung gebracht hatte. „Was ist passiert?", fragte er und schloss die Ofenklappe. „Du wolltest doch frühestens in einer halben Stunde wieder da sein."

Ärger macht sich in Seven breit. Er hatte sich schon oft gewundert, was es für einen Grund gegeben hatte, dass sie beide zusammen waren - und zusammen blieben - und während er darüber nachgedacht hatte, war ein halbes Jahr mit dem besten Sex seines Lebens vergangen. Allerdings hatte es bisher noch nie eine Situation wie diese gegeben, einen Moment, in dem er so viel daran gezweifelt hatte, dass ihre Beziehung das Richtige war. Natürlich, Dustin war ein Halt für Seven, fing ihn immer wieder auf, wenn er nicht mehr konnte, aber mehr war dort nicht. Denn wenn sie sich wirklich lieben würde, könnte er es ihm sagen. Doch das ging nicht.
Ein Schmerz in Sevens Hals hindert ihn daran, Worte hinauf zu bringen, während seine Augen brannten und ihn scheinbar zwingen wollten, Dustin nicht anzusehen. Er gab nach, schloss seine Augen. Wenn er seinen Freund so ansah, brachte es ungewollte Schuldgefühle hervor. Als hätte er Dustin betrogen, nur weil sein Vater ihn damals vergewaltigt hatte. Als wäre das ein Vertrauensbruch gewesen, obwohl sie sich damals noch nicht gekannt hatten.
"Dumm", murrte er und ließ sich in einen der harten Küchenstühle sinken, wartete aufs Essen. Er konnte Dustin einfach nicht von seinem Problem erzählen, ihm nicht sagen, wessen Stimme er gehört hatte. Seven hatte das Gesicht des Fremden nicht wiedererkannt, der aus dem schwarzen Auto mit den abgedunkelten Fenster zu ihm gesprochen hatte, aber diese kalte, raue Stimme mit dem französischen Akzent. Damals war sie etwas jünger gewesen, doch damals... war auch schon lange her. Diese Klänge brannten sich immer tiefer in seine Erinnerung, ließen ihn sich erinnern. "So dumm."

„Was ist dumm?", fragte Dustin und zog einen zweiten Stuhl heran, setzte sich Seven gegenüber. Eigentlich wollte Seven es nicht, wenn Dustin in der Öffentlichkeit oder auch nur zu Hause ihn in die Arme nahm oder sonst irgendwie zärtlich berührte – außer im Bett – aber er konnte es einfach nicht verhindern, dass sich seine Hände um Sevens schlossen. Er versuchte ihm etwas von seiner Wärme zu geben, doch Sevens Hände blieben kalt. „Seven, was ist passiert?", fragte er sanft.

Seven murmelte etwas Unverständliches und versuchte angestrengt den Drang, seine Hände wegzuziehen, zu unterdrücken. "Ich... werde nicht mehr auf den Strich gehen", sagte er ernst, sah dem anderen dabei nicht in die Augen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es kein Problem gewesen, seinen Körper an die Kunde zu verkaufen, aber nachdem ER dort aufgetaucht war, war nichts mehr wie vorher. Plötzlich fühlte Seven sich einfach nur noch dreckig.
Dieser Mann hatte ihn angefasst, beschmutzt. Seven hasste ihn, seinen Vater, der ihm den Namen Josh gegeben hatte - den Namen, den er ebenfalls aus tiefstem Herzen hatte. Aus diesem Grund hatte er sich selbst Seven, nachdem er von Zuhause abgehauen war, und jeder, der es wagte, ihn bei seinem richtigen Namen zu nennen, konnte sich auf etwas gefasst machen.

„Was ist passiert?", wiederholte Dustin nur und versuchte, Sevens Blick zu fangen. Einfach so beschloss Seven nicht einfach so, nicht mehr auf den Strich zu gehen. Er wusste ebenso gut wie Dustin, dass sie ansonsten keine Chance hatten, das Geld für die kleine Wohnung und das Essen zu verdienen. Denn wer würde schon einen schwulen Stricher, der von zu Hause abgehauen war, einstellen? Niemand, der bei Verstand war.
Dustin hatte es zwar leichter als Seven, das Geld einzubringen, doch lag dies einzig und allein an der Tatsache, dass er freundlich zu seinen Freiern war, seine Launen nicht an ihnen ausließ.

"Das geht dich nichts an und...", murrte Seven, blickte auf und funkelte Dustin wütend an, "...NIMM GEFÄLLIGST DEINE DRECKIGEN PFOTEN WEG!" Er sprang auf, sodass Dustin nicht anders konnte, als ihre Hände von einander zu trennen. "Spiel dich nicht auf, als wärst du meine Mutter! Ich hab genug von ihr!", schnauzte Seven, ehe er leise, verbittert, hinzufügte: "Und genug von dir." Damit verließ er die Küche eiligt, lief ins Bad und verbarikadierte sich hinter der Tür, warf den Schlüssel einfach in den Müll. Er hätte niemals gedacht, dass seine Gefühle ihn dazu bringen könnten, sowas zu sagen, aber es war einfach passiert.

Dustin starrte auf den Stuhl, auf dem Seven gerade noch gesessen hatte. Wie hatte er ihn genannt? Seine Mutter? „Komm raus, Josh!", schrie er und sprang von seinem Stuhl auf, hämmerte gegen die Tür. Er hatte ihn gerade – ob aus Wut oder aus Verzweiflung – bei seinem richtigen Namen genannt. Und das war etwas, das man nie in Sevens Gegenwart tun sollte, aber Dustin musste es schaffen, den anderen wachzurütteln. Wenn das nur eine von Sevens Launen war…!

Seufzend genoss Seven die angenehme Kühle der Tür hinter ihm, spürte das Vibrieren, wenn Dustin dagegen trat. Nach einem halben Jahr hatten sie also endlich diesen Punkt erreicht - den Punkt, ab dem es weder ein Vorran noch ein Zurück gab. "NEIN!" Dustin hatte ihn Josh genannt - etwas, das ihn nur noch mehr in seiner Entscheidung bestätigte, drinnen zu bleiben. Er würde warten, bis sie sich beide beruhigt hatten, dann raus gehen und versuchen, jede Frage zu vermeiden, bei der es darum ging, was passiert war.

„Seven!", schrie Dustin. Er schaute sich nach etwas um, was ihm dabei helfen würde, die Tür zu öffnen und sein Blick blieb an dem dünnen, schwarzen Rauchfaden hängen. „Scheiße!", fluchte er und eilte in die Küche, um von der Pizza zu retten, was noch zu retten war. Er zerrte den Ofen auf und holte ein verkokeltes Etwas heraus. Die zweite Pizza brutzelte fröhlich vor sich hin. „Ganz toll", murmelte er und ließ das schwarze Ding in den Müll fallen.
„Wenn du was zu essen willst musst du rauskommen", rief er der verschlossenen Badezimmertür zu und holte die genießbare Pizza zum Vorschein, legte sie auf einen Teller und schnitt sie in zwei Hälften. Seine eigene viertelte er, Sevens schnitt er noch mal in zwei Hälften. Dann nahm er zwei Servietten und deckte den Tisch. Es war ein Detail, worauf er bestand, dass sie nach Möglichkeit zusammen aßen. Warum er das so wichtig fand, wusste er auch nicht genau, es war ihm eben wichtig.

Sevens Magen knurrte, brachte ihn fast dazu, sein Versteck zu verlassen. Du bleibst hier!, befahl er sich selbst und ignorierte das Grummeln seines Magens, genauso wie er alles andere immer ignorierte. Vor allem Gefühle. Sowohl seine eigenen, als auch die der anderen - denn sonst wäre er nicht in dieser Situation, eingeschlossen in ihrem Badezimmer, nur um nicht reden zu müssen. Nur um sich seinen Gefühlen nicht stellen zu müssen. Sein Leben lang war er weggerannt, nun konnte er nicht mehr anhalten. Seine Füßen taten die Schritte wie von selber, ohne dass er einen Einfluss auf sie nehmen konnte.
Der eisige Nachtwind drückte Sevens Tränen in seine Haut, ließ ihn die feuchten Spuren auf seinen Wangen spüren und jagte Schauer über seinen Rücken. Um ihn herum herrschte Dunkelheit, nur das Badezimmer hinter ihm war matt erleuchtet, während der Mond silbern am Himmel stand. Jemand hatte ihm einmal erzählt, dass Menschen zu Sternen würden, wenn sie sterben. Er wollte auch einer sein, am dunklen Nachthimmel funkeln und in seiner Schönheit erstrahlen.
Der Boden nährte sich, eine Sekunde lang fühlte er sich frei, als könne er sofort in den Himmel aufsteigen, um sich dort niederzulassen. Dann durchzuckten ihn Schmerzen, die er so noch nie gespürt hatte. Ihre Intensität war nicht das Problem, doch sie hatte eine lähmende Wirkung. Seven röchelte, hustete, spuckte Blut. Alles war verschwommen und drehte sich, ihm wurde schlecht. Doch er starb nicht. "Wie... so?", brachte er langsam hervor, dann hörte er einen Schrei.

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