~ B i t t e r s w e e t ~

Terra <3 Yaoi

Unruhig wälzte Seven sich umher, suchte instinktiv die Nähe des warmen Körpers neben sich. Ein männlicher Geruch, vermischt mit dem Schweiß ihrer letzten Nacht - seltsamerweise war es das, was ihn sich geborgen fühlen ließ. Was neben ihm lag, konnte ihn beschützen, ihn halten, genau das, was die kräftigen Arme in diesem Moment taten, was ihn einlud, sich noch näher anzuschmiegen. Leise schnurrend strich er über den fremden Rücken, war sich nicht einmal bewusst, dass er sich gerade in dem Bett eines Freiers und nicht eines letzte Nacht aufgerissenen Lovers befand. "Einmalig", hauchte jemand gegen sein Ohr, veranlasste die feinen Härchen in seinem Nacken, sich aufzustellen - und, leider, rief es auch einen ungemeinen Juckreiz hervor, als würde er von einer Mücke gestochen, was seine Hand dazu bewegte, reflexartig hochzuschnellen und dem zahlenden Kunden eine saftigte Ohrfeige zu verpassen.
Das gefluchte Scheiße und die zahlreichen Beleidigungen, die wohl an ihn gingen, ließen Seven aufschrecken. Wills Wange war von einem roten Flecken geziert. "Shit! Sorry, dat wollt' ick nich', dat war nur 'n Reflex, fuck!", versuchte Seven, irgendetwas zu retten und sah mit verzogenem Gesicht auf die Stelle, die Will mit seiner Rechten hielt. "Dat wa' echt nit so jemeint, no'ma' sorry, ehrlich", entschuldigte er sich erneut. "Bitte nich' sauer sein", beruhigte er, dabei selber total aufgekratzt, weil er so wenig geschlafen hatte - und dazu klang er noch sehr verzweifelt. "Ick mach' dat wieda jut, versproch'n, da lass ick mich no' 'was einfall'n." Hastig krabbelte Seven zu Will, der ihn inzwischen nur ziemlich verdutzt ansah, und besah sich die Stelle. Der kleine Kratzer zeugte davon, dass seine Fingernägel ganze Arbeit geleistet hatten. "Shit!"
"Jetzt komm wieder runter", murmelte Will und seufzte. "Es ist nur halb so schlimm, also reg dich nicht so auf. Am besten, du gehst wieder schlafen, sonst wird bei deinem Vokabular noch jeder, der dich hört, einen Nervenzusammenbruch bekommen. Wenn du mich kurz in das Badezimmer lässt, kann ich mir erstens ansehen, was du angerichtet hast, und zweitens kann ich dir eine Tablette holen, damit du besser schläfst." Versöhnlich sah der Blonde drein, überraschte Seven erneut mit seiner Freundlichkeit. Normalerweise hätte er dafür mindestens einen blauen Fleck kassiert, wenn ihm nicht sogar Schlimmeres wiederfahren wäre, zumal seine Ausdrucksweise am Morgen den meisten Leuten wirklich so sehr misfiel, dass sie ihn hochkant rauswarfen. Da kam eben der mundfaule Morgenmuffel in ihm hoch, den er besonders in solchen Situationen nicht unterdrücken konnte.
"Kla', gern, da sach ick nich' nein, aba wolltest de mich nich' glei' rausschmeiß'n? Also nach'm Aufwach'n?", fragte Seven gähnend, krabbelt allerdings bereits wieder auf seinen Platz und zog die Decke über seine Schultern. Es war so weich, fühlte sich an, als würde er im Himmel schweben - wenn er dieses Gefühl noch eine Sekunde länger auskosten durfte, war es ihm alles wert, was er geben konnte. "Aba ick glob, ick broch keene Pille mehr, dat geht au' so", nuschelte er, gähnte schon wieder und sank sofort in die tiefsten Träume, während Will sich seufzend in das Bad zurückzog.
Wieso er so freundlich war, konnte er selbst nicht verstehen. Bei den meisten Strichen war er das größte Arschloch, dem sie jemals in ihrem Leben begegnet waren, holte sie zum Sex rein und warf sie ungewaschen wieder heraus, doch bisher war ihm noch niemand untergekommen, der gerade einmal fünzehn Jahre alt war. Mit solchen Leuten wollte er nichts zu tun hatte - abgesehen davon, dass er Stricher verachtete, weil sie ihren Körper verkauften, auch noch für Spottpreise, konnte er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, den Babystrich zu fördern. Sein Butler sollte darauf achten, dass die Jungs mindestens siebzehn, wenn nicht sogar noch besser achtzehn Jahre alt waren, weswegen ihn wunderte, dass Seven überhaupt in seinem Bett gelandet war. Wahrscheinlich hatte sein Angestellter nur gesehen, dass der Junge seinem Wunschalter entsprechend aussah und dazu noch genau in Wills Vorlieben passte.
Zu seinen Kriterien gehörte es nicht, dass die Stricher schlank waren - denn das waren sie alle. Meistens abgemagert, überall Sehnen und Rippen, Muskeln, als hätten sie trainiert, doch sah man diese nur, weil kein Fett mehr darüber war. Viele waren nur Haut und Knochen, genauso dieser Seven, den es bereits mit so jungen Jahren auf den Strich getrieben hatte. Allerdings war Will auch zu einem gewissen Anteil froh darüber, denn der Sex war geil gewesen. Seven war relativ klein, das waren die meisten Stricher, doch er hatte noch seinen eigenen Willen. Es war, als würde er alles einfach durchziehen und dabei sein eigenes Ding drehen. Seine Sprache, sein Auftreten, er war selbstbewusst - und das gefiel Will.
eufzend schaltete er das Licht im Bad an, auch wenn die Sonne eigentlich genug spendete. Er hatte genug Geld, um in jedem der vielen Zimmer ständig das Licht brennen zu lassen. Anschließend ging er unter die Dusche, ließ das warme Wasser auf seine Haut prasseln und genoss die Stille. So stand er eine Weile, ehe er sich gründlich einseifte und eine Hand voll teurem Luxusshampoo in sein ach-so pflegebedürftiges Haar einmassierte. Alles musste einwirken, ordentlich, was ihn weitere Minuten, zehn Minuten, kostete, bevor er sich ans Ausspülen machte. Der Schaum hatte sich fast von ihm verabschiedet, als er einen magerschütternden Schrei hörte, der das ganze Gebäude erzittern ließ. Schrill klang er in Wills Ohren nach und ein Moment verstrich, ehe er realisierte, dass es Seven war, der dort so geschrien hatte.
Hastig sprang er aus der Dusche und rannte nass ins Schlafzimmer zurück, wo er einen vollkommen verschreckten Jungen fand, der zusammengekauert in einer Ecke des Zimmers saß und ihn aus weit aufgerissenen Augen anstarrte. "Ist alles in Ordnung?" Vosichtig nährte er sich, doch Seven zuckte nur zusammen und vergrub das Gesicht in den Händen. Seine Schulter bebten und ein Schluchzen erklang. Kurz zuvor hatte ihn noch eine Aura aus Angst und Furcht umgeben, nun war bloß noch pure Verzweiflung übrig, die Seven so intensim spürte, wie er es selten zuvor getan hatte.
Manchmal, ganz selten, kam es vor, dass seine Träume so real wirkten, dass er sie mit der Realität vermischte - und selbst, wenn das nicht geschah, gab es jene Tage, an denen er spüren könnte, wie sein Vater in ihn eindrang, wie sein Körper schmerzte, wie dreckig er sich danach gefühlt hatte. Öfters waren seine Hände zu der Klinge geglitten, doch hatte Seven es aufgegeben, nur den Sex und Alkohol als Ventil gefunden, da er eine Abneigung gegen Drogen hatte. Leider war beides in diesem Moment unmöglich, da er für Sex viel zu aufgelöst war und Will mit Sicherheit keinen Wodka in der Nähe hätte. Selbst wenn, wäre dieser nicht für ihn bestimmt.
Schluckend sah er auf, blickte in ein verwirrtes, besorgtes Gesicht. "Ist alles in Ordnung?"
"Wonach sieht's denn aus?", fauchte Seven abweisend und erhob sich. Seine Beine fühlten sich weich an, er konnte kaum stehen, seine Oberschenkel schmerzten, doch er wollte keine Hilfe. "Ich geh', wo is' mein Geld?"
"Du kannst doch ni-"
"Ich hab' mich von dir durchvögeln lassen, das war abgemacht. Nicht mehr und nicht weniger, also gib mir mein Geld", murrte Seven, nicht auf Ärger aus, doch konnte er seinen Tonfall nicht mäßigen. Er wollte verschwinden, allein sein, seine Sorgen in dem ertränken, was ihm als nächstes unterkam, auch wenn dafür ein Mädchen hinhalten musste. "Gibst du's mir jetz' oder was?"
Will seufzte tief. "Na gut, Winfried wird es dir geben, das ist der Butler." Er wunk ab. "Ich gehe wieder duschen. Du willst nicht oder?" Seven schüttelte bestimmt mit dem Kopf. "Gut, vielleicht trifft man sich."
"Das bezweifle ich. Es sei denn, sie wollen wieder Geld loswerden", antwortete Seven mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen, auch wenn sein Tonfall Abneigung zeigte. Einfach so würden sie sich niemals über den Weg laufen, dafür wohnten sie in zu verschiedenen Gegenden. "Fährt der Typ mich au'? Ich will hier nich' durch die Gegend laufen, sonst endet das no' böse." Er würde nicht akzeptiert werden und irgendein Arsch würde ihn zusammenschlagen, das war klar.
"Tut mir leid, aber Winfried muss gleich jemanden abholen. Du wirst wohl oder übel laufen müssen, da kann ich nichts gegen tun", erklärte Will schulterzuckend. "Oder du bleibst, bis er wieder da ist, wobei das noch ein paar Stunden dauern kann, wenn meinen Bekannten richtig einschätze. Er braucht immer eine Ewigkeit, bis er schließlich zum Einsteigen bereit ist." Er seufzte und sah auf Seven, der sein Gesicht verzog.
"Ne, lass ma'. Es war abgemacht, dass ich bis zum Morgen bleibe, jetz' is' es bestimmt scho' Mittag und ich hab' keine Lust, hier noch zu vergammeln", murrte er und stand auf. Wenn er nach draußen ging, konnte er damit rechnen, Verletzungen zu bekommen, doch war es ihm unangenehm, noch länger zu bleiben. Leute, die sich Stricher holten, waren in den meisten Fällen ziemlich besitzergreifend und sollte ihnen einer mal gefallen, davon hatte Seven schon einige Male gehört, ließen sie nie wieder los. Oft endete es damit, dass man die Jungs nie wieder sah - und wenn das doch der Fall war, konnte man von ihrem Zustand, seelisch und körperlich, nicht einmal mehr von schlecht sprechen.
"Also dann, bye", murmelte Seven und lief an Will vorbei, beeilte sich, nach draußen zu kommen. In der Halle standen immer noch seine Schuhe, in die er schnell hineinschlüpfte, ehe er hastig die Tür öffnete, um nach draußen zu gehen. Zum Haupttor rannte er sogar, klapperte erst einen Moment an den Eisenstäben herum, bevor er sich fluchend auf die Suche nach einem Türöffner machte. Als jemand hinter ihm hupte, zuckte er zusammen. Hinter ihm fuhr der schwarze Wagen von gestern. Nun allerdings konnte er einen anderen Fahrer ausmachen. "Was soll'n das jetz'?", fragte er gereizt.
"Ich will nicht, dass dir etwas passiert, also steig ein", seufzte Will und stieß die Beifahrertür auf. Seven folgte dem Befehl, murrend.
"Solltest vorsichtiger sein, irgendwer hält dir ma' 'ne Knarren an den Kopf und dann hast'e 'n Problem." Er schnallte sich brav an, um einer Sicherheitsbelehrung zu entgehen, während er Will beobachtete, der eine Fernbedienung herauskramte und auf einen roten Knopf drückte, woraufhin sich die Tore öffneten.
"Du machst es doch auch nicht, also wieso sollten es die anderen machen?"
"Ich hab' au' keine Waffe", anwortete Seven wahrheitsgemäß. "Außerdem... pack mich nich' mit diesen billigen Hurensöhn'n in eine Schublade, da bin ich no' lange nich' gelandet." Ziemlich angepisst verschrenkte er seine Arme vorm Brustkorb und starrte wie besessen auf das Lenkrad. "Diese dürren Flachwixer rennen nackt durch die Gegend, nur um sich von irgendso'nem alten Arsch heftig durchficken zu lassen, was ihnen wahrscheinlich sogar noch Spaß macht." Das war etwas, was Seven nie verstehen konnte. Natürlich, vom Charakter her waren die meisten anderen Stricher gar nicht mal so schlecht, doch hatten bei ihnen Dinge wie Prinzipien und Stolz schon lange das Zeitliche gesegnet. Seufzend lehnte Seven sich zurück und schloss die Augen, versuchte in der betretenen Stille, die zwischen ihnen herrschte, etwas auszuruhen, auch wenn sie nicht lange hielt.
"Wieso gehst du auf den Strich, wenn es dir doch so zuwider ist? Es gibt haufenweise Jobs, da wird auch etwas für dich abfallen."
Überrascht riss Seven die Augen auf und starrte Will mit einer Mischung aus Entsetzen und Verständnislosigkeit an. "Was? Sag ma', bei dir tickts wohl nich' mehr richtig, oder? Glaubs'u ehrlich, dass die irgend'nem heruntergekommenen, ungewaschenen Fünfzehnjährigen eine Stelle geben, wenn er no' nich'ma auf der Oberschule war? Außerdem hab' ich nur die Klamotten, die ich anhab - und mich damit jeden Tag sehen lassen, dat geht au' nich', da flieg ich sofort wieder raus. Dazu kommt ja au' no', dass ich, wenn ganz hoch kommt, fünf in 'ner Stunde krieg' - und mich dafür abschuften? Davon würd' ich nich' leben können, vergiss es!", fauchte er. Sein gesamter Körper war angespannt, er zitterte, spürte, wie Tränen aus Wut und Verzweiflung sich in seinen Augen sammelten, während Will nichts als ein verblüfftes "Oh." für ihn übrig hatte.
Seven schluckte, sah nach draußen, wie die ganzen, verwöhnten Kinder dort langliefen, mit ihren Eltern vom Einkaufen nach Hause kamen. Die Tüten waren prall gefüllt - etwas, das er nie hatte erleben dürfen. "Ich steig aus", murmelte er und noch ehe Will sich dieser Aussage bewusst werden konnte, hatte Seven sich schon abgeschnallt, die Tür geöffnet und war herausgesprungen. Hart prallte er auf dem Bürgersteig auf, rollte ein Stück und nahm fern die Schreie wahr, die ein paar Passanten vor Erschrecken entlassen hatten. Was mit dem Auto, der Tür oder Will passierte, interessierte ihn nicht - er wollte einfach nur weg.
Sofort sprang Seven auf und rannte, als ginge es um sein Leben. Vorbei an allen Leuten, rempelte einige dabei um und bog in zahlreiche Seitenstraßen ab. Er hoffte, so in eine verlassenere Gegend zu kommen, einfach weg von diesem Lärm, diesen lachenden Gesichtern, diesem Glück und diesen reichen Leuten. Was er in diesem Moment am wenigstens brauchte, war, dass man ihm vorführt, was er alles nicht besaß und niemals besitzen würde. Jeden Tag, in jeder Sekunde, sehnte er sich nach dieser ausfüllenden Zufriedenheit, träumte davon, wie sie ihn heimsuchte und erwärmte, ein verträumtes Lächeln auf seine Lippen zauberte.
Atemlos lehnte er sich an eine Wand und sah sich um. Außer ihm war niemand da, auch wenn er Schritte hören konnte, die sich langsam nährten. Es waren nicht viele Leute und selbst wenn, dann würde er einfach weiter gehen, sobald sie ihn störten. Mit einem Seufzen setzte er sich hin, schloss seine Augen, während die Erschöpfung durch das Rennen und dem wenigen Schlafen ihn in einen leichten Schlaf trieb, sodass er die Schatten nicht registrierte, als sich jemand über ihn beugte, einige Hände ihn berührten. Erst der Tritt in seine Seite ließ ihn zusammenzucken, aufsehen. Das Ziehen in seinem Magen war unangenehm, doch registrierte er es kaum. "Was soll das?", murrte er noch immer schlaftrunken und sah auf die zwei Kerle, die sich vor ihm aufgebauten hatten. Im Hintergrund konnte er noch drei weitere erkennen, die an einer Hauswand lehnten und sie lachen beobachteten.
"Was suchst du hier? Das ist unsere Gegend!", brachte einer der zwei hervor. Er hatte kurzes, blondes Haare, das wirr in alle Richtungen abstand, und hellblaue Augen, die ihn eindeutig wie diesen typischen Mädchenschwarm wirken ließen. "Wo kommst du eigentlich her, hä?"
"Selber hä", fauchte Seven und stand auf, wobei sich der Tritt in seine Seite bemerkbar machte. "Das geht dich nichts an, ich hab' hier nur gepennt, also lass mich in Ruhe." Er wandte sich ab, doch da hielt ihn plötzlich jemand an der Schulter und riss ihn zurück. Ein Stück taumelnd konnte er sich gerade noch so fangen, als eine Faust in sein Gesicht schlug und ihn dazu brachte, doch hinzufallen. "Shit, ey, was soll der Scheiß?" Angepisst fasst er sich an die demolierte Wange, wollte am liebsten zurückschlagen, doch wusste er, dass er gegen fünf dieser Typen wohl nicht viele Chancen hatte, auch wenn er mit Sicherheit besser kämpfen konnte als sie.
"Wir woll'n nur ein paar Fragen beantwortet haben, mehr nicht. Also, erstens, wie heißt du?" Der Blonde beugte sich zu ihm herunter und beäugte ihn grinsend. Es machte ihm sichtlich Spaß, seine Macht in diesem Moment auszunutzen - sollte er seinem Opfer einmal allein begegnen, konnte er sich auf etwas gefasst machen.
"Seven."
Wie auf Kommando begannen alle zu lachen. "Ach, Seven?", fragte der zweite von den beiden, die vor ihm standen. Er hatte dunkle Augen und tiefschwarz gefärbtes, mittellanges Haar, sodass Seven ihn glatt schon als seinen Typ bezeichnen konnte. "Verarsch mich nicht!" Der freundliche Tonfall war plötzlich gewichen und Seven sah nur den Fuß auf sich zurasen, war viel zu konzentriert darauf, sich nicht für alles zu revangieren, als dass er noch hätte ausweichen können.
Hustend krümmte er sich, hielt sich seinen Bauch. "Arschlöcher, ey. So nennen mich alle und so nenn' ich mich, 'kay? Ich schwöre dir, mit meinem richtigen Namen wird außer meinem Hurensohn von Vater niemand etwas anfangen können", brachte Seven zwischen zusammengebissenen Zähne heraus. War's das jetzt? Ich will nach Hause." Auch wenn er einen solchen Platz nicht hatte.
"Ah, wir würden dich gerne noch ein Stück begleiten. Wo wohnst du denn? Vielleicht können wir ja auf dem Klingelschild deinen Namen herausfinden", meinte der Blonde gespielt nett, verzog leicht das Gesicht, als Seven nur selbstgefällig grinste.
"Sorry, aber ich wohn' auf der Straße. Sprich wenn du mir 'nen Schlafplatz gibst, lass ich mich sogar von jemanden wie dir ficken. Na, wie wär's?" Seven wusste genau, dass der Typ dieses Angebot nicht annehmen würde, doch hatte er sich diesen Kommentar nicht verkneifen können, auch wenn der Bogen nun wohl ziemlich überspannt war.
"Seh' ich schwul aus oder was, du Arsch?", fuhr der Blonde und rümpfte die Nase. "Willst dich echt mit uns anlegen, was?" Die anderen traten hinter ihn.
"Nein, nein, das ist nur ein ziemlich gutes Angebot, ansonsten müsstest du einen Hunni dafür hinblättern", grinste Seven immer noch. "Außerdem kannst du dir gar nicht vorstellen, wie viele von euch Lackaffen Homos sind." Sein Blick glitt kurz zu einem kleinen Rothaarigen, bei dem sich allein durch die Vorstellung, was mit Seven zu haben, etwas in seiner Hose regte. Eine kleine Beule, fürs erste, aber das zeigte deutlich, dass der Blonde von vielen Dingen keine Ahnung hatte. Kopfschüttelnd sah er wieder auf diesen. "Na, willst du's nicht doch mal probieren? Männer sind echt Klassen besser im Bett als Frauen." Plötzlich spürte er einen Schuh in seinem Gesicht, kniff die Augen zusammen und riss seine Arme hoch, um seinen Kopf zu schützen. Sofort waren auch die anderen dabei, folgten scheinbar blind dem, was ihr Vollidiot von Anführer tat.
Seven wusste nicht, wie lange es bereits gedauert hatte oder noch dauern würde, doch langsam fühlte er keinen Schmerz mehr, auch wenn er wusste, dass sie ihm unermüdlich weitere blaue Flecke zufügten. Irgendwie hatte er es geschafft, alles auszublenden, nur in seinen Gedanken zu Leben, während das Prasseln des nun fallenden Regens seine Kleidung durchnässte, in seinem Kopf nachklang. Es gab nur noch ihn und die Tropfen, die die einzig und allein von seiner Seele vergossenen Tränen hinweg schwemmten, sodass eine angenehme Leere blieb. Nur selten genoss er diese Gefühlslosigkeit so sehr, wie in diesem Augenblick, war sie schließlich nicht nach der Sehnsucht von Fülle geprägt sondern bloß von Gleichgültigkeit gehalten.
Als er seine Augen nach einer Weile wieder öffnete, war er allein, nass. Murrend versuchte er, sich hoch zu stemmen, doch gaben seine Arme nach. Eine Schulter schien geprellt, seine Rippen verstaucht und seine Kleidung schien wie Schläge auf die blauen Flecken zu drücken. Wie sehnte er sich wieder nach dieser Leere?
Seufzend dachte er nach, suchte nach einem Ausweg. Langsam wurde ihm kalt, als ihn eine Vorahnung wie ein Blitz traf. Ruckartig, den Schmerz ignorierend, griff er in die rechte Arschtasche seiner Baggy, wo das Geld drinnen gewesen war. Leer. Erschrocken sah er sich um, doch waren die Scheine nirgends zu sehen, weshalb er sich ruckartig aufsetzte. Erneut war sein körperlicher Zustand in eine Art Vergessenheit geraten. Zwar wurde Seven bei jeder Bewegung von Schmerzen durchzuckt, doch konnte er sie durch den Gedanken verdrängen, dass er eintausend Mäuse verlieren würde, wenn er seinen Arsch jetzt nicht in Bewegung setzte.
Einen Moment sah er sich um, lief dann nach rechts, von wo er Stimmen hörte, die ihm ziemlich bekannt vorkamen
"Pah, dass der Wichser so viel Geld bei sich hatte."
"Glück und wir teilen es gerecht auf, würde ich sagen."
Hastig bog Seven um die Ecke. "Nichts werdet ihr Hurensöhne teilen, kapiert?!", schrie er wütend, starrte in einer paar äußerst verblüffte Gesichter.
"Mist, und ich dachte, den wären wir los", murrte der Blonde. "Sag mal, hast du immer noch nicht genug?"
"Das ist MEINS", fauchte Seven und ballte die Hände zu Fäusten. "Ich musste dafür 'ne Nacht lang meinen Arsch hinhalten, also gib's wieder!" Klar, er hatte es ausnahmsweise wirklich genossen, doch war es etwas gewesen, auf das er auch hätte verzichten können.
"Sorry, aber wir brauchen das Geld", schaltete sich der Schwarzhaarige ein und verschränkte die Arme vorm Brustkorb.
Seven starrte die Kerle an, als sei ihre Aussage das Unsinnigste der Welt. Natürlich, jeder brauchte mal Geld, aber der Gerechtigkeitssinn dieser Typen war wirklich nicht sehr ausgeprägt. Jeden Tag stopften sie Essen in sich herein, schon vorgekocht und klein geschnitten, während er eine Zeit lang aus Mülltonnen gelebt hatte. Sein ganzes Leben lang hatte er sich durchkämpfen müssen und nun, wo er einmal etwas mehr Geld gekriegt hatte, kamen diese Flachwichser dahergelaufen. "Ich sag's euch noch einma', gebt mir das Geld oder ich mach euch fertig!" Vorhin hatte er keinen Ärger gewollt, doch nun war es scheinbar zwingend nötig.
"Tz!", machte der Blonde nur, steckte das Geld ein und stämmte die Hände in die Seiten. "Dann komm doch her, wenn du unbedingt Ärger willst!"
Das ließ Seven sich nicht zweimal sagen. Sofort rannte er los, ignorierte die anderen und hieb nach dem Kerl. Ihm die Fresse zu pulieren würde einen Heiden Spaß machen. Der Blonde wich aus, hieb ebenfalls nach Seven, der jedoch einen Treffer verhinderte, indem er dem anderen sein Knie in den Bauch rammte und seine in einander verschlungenen Fäuste in den fremden Nacken schlug. Der Typ unter ihm keucht erschrocken auf, sank sofort zusammen und blieb liegen.
Ziemlich eingeschüchtert sahen ihn die anderen an, ehe drei auf ihn zustürmten und der Verbliebene sein Handy aus der Hosentasche zog. Falls der Kerl Verstärkung rufen wollte, musste Seven sich beeilen, weswegen er versuchte, die drei so schnell wie möglich zu erledigen. Leider stellte es sich als ziemlich schwer drauf, da von überall Fäuster und Füße gefährlich nah an ihn heran kamen, ihm nicht wirklich Zeit für einen Angriff ließen. Dazu kam noch, dass seine Kondition ziemlich schlecht war, er immer langsamer wurde. Plötzlich spürte er einen Schlag in seine eh schon halb gebrochenen Rippen, sank keuchend zu Boden. Er hustete, Blut benetzte den Asphalt, ehe die Welt um Seven herum langsam begann, zu verschwimmen.
"Scheiße, wenn dem was passiert ist!"
"Ach, das hat dieses dreckige Schwein doch verdient. Den vermisst eh niemand."
"Ja und wenn ihn jemand findet?"
"Wird schon..."
Die Stimmen entfernten sich immer weiter, schienen hinter einem dichten Nebelschleier zu verschwinden, sodass er nur noch dumpfe Klänge vernehmen konnte. Die Worte waren nicht mehr zu erkennen - das einzige, was Seven mitbekam, waren die Schmerzen an seiner Lunge, die immer weiter zuzunehmen schienen.

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